„Ein Aufschrei muss kommen“

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Superintendent wendet sich auf Kreissynode gegen unmenschliche Entscheidungen

Von Kathrin Koppe-Bäumer

Meschede. „Die Kirche hat gesellschaftliche Verantwortung und ist verpflichtet zu politischen Fragen Stellung zu nehmen“, schreibt Superintendent Alfred Hammer in seinem letzten Jahresbericht.

180630 Kreissynode 3Das verdeutlichte er in einem persönlichen Zwischenruf auf der Kreissynode im Mescheder Kreishaus vor über 70 Delegierten und Gästen aus den Gemeinden des Ev. Kirchenreises: „In diesen Tagen suche ich in einer aus den Fugen geratenen Welt nach der Nächstenliebe, nach Solidarität und Gerechtigkeit.“ Davon sei die Welt weggerückt, beklagte er. „Wie anders soll ich es bezeichnen im Angesicht von Schiffen mit Flüchtlingen, z.T. traumatisiert, misshandelt und gefoltert. Und kein Land nimmt diese Menschen im Namen der Nächstenliebe auf.“ Er kritisierte Politiker, die mit ihren Streitigkeiten ein 70 Jahre dauerndes Friedenssystem aufs Spiel setzten. „Wer nur Wahlen gewinnen möchte und dabei den Untergang von Menschen in Kauf nimmt, der hat nichts verstanden von der Botschaft des Christentums.“ Ihn hätten die Schreckensnachrichten stumm gemacht und auch von den Kirchen habe er keinen Aufschrei gehört. „Aber wenn Menschen hin und her gestoßen werden, muss ein Aufschrei kommen.“

Fast alle Synodalen machten sich Hammers Zwischenruf zu eigen. Außerdem gaben sie der Landessynode den Auftrag, erneut Sondermittel aus Kirchensteuern für die Flüchtlingsarbeit in Westfalen und für die Unterstützung der Flüchtlingsarbeit ökumenischer Partner an den EU-Außengrenzen zu bewilligen. Außerdem folgten sie Diakoniepfarrer Peter Sinn und forderten die westfälische Kirchenleitung auf, sich gegenüber der Bundesregierung einzusetzen gegen die Errichtung sogenannter AnKER-Zentren und für eine menschenwürdige Auslegung des Asylrechts, u.A. für dezentrale Unterbringung der Geflüchteten, Schutzraum für Kinder und verletzliche Personen  und eine maximale Aufenthaltsdauer von drei Monaten in Ankunftszentren.

Download Zwischenruf von Superintendent Alfred Hammer im gekürzten Wortlaut.

Vorbereitungen auf neuen Kirchenkreis
In seinem letzten Jahresbericht vor seinem Ruhestand verortet der Superintendent die evangelische Kirche im Sauerland in bewegten Zeiten. Darin müsse sie ihre Organisationsstrukturen so gestalten, dass sie ihrem Verkündigungsauftrag nachkommen könne trotz Überalterung, sinkender Gemeindegliederzahlen und Kirchensteuereinnahmen. Deshalb wurde mehrere Jahre auf die Gründung des neuen Kirchenkreises Soest-Arnsberg hingearbeitet. Hammer dankte allen, die sich an diesem Prozess beteiligt haben, und berichtete über Entwürfe neuer Strukturen, denen die Kreissynodalvorstände in den letzten Monaten zugestimmt  haben. Ein Schwerpunkt des neuen Kirchenkreises liegt auf der Erweiterung der Pfarrstellen für Krankenhaus-, Alten- und Notfallseelsorge. Die Inhaber sollen ehrenamtliche Seelsorger/innen ausbilden.
In Bereichen wie der Diakonie, der Kirchenmusik, dem Schulreferat, der Erwachsenenbildung und den Kindertagesstätten und der Jugendarbeit sind Strukturen entwickelt worden. In anderen Bereichen müsse diese Arbeit noch getan werden. Wichtig ist Hammer, dass die Arbeit in den Gemeinden vor Ort, in den gemeindeübergreifenden Regionen und auf der Ebene des Kirchenkreises sich ergänzen. „Nur so kann Kirche flächendeckend Menschen mit ihren unterschiedlichen Erwartungen erreichen“, machte er seine Meinung klar.

Grüße aus Bielefeld, Soest und der Abtei
Oberkirchenrätin Doris Damke aus Bielefeld überbrachte Grüße von der Ev. Kirche von Westfalen und würdigte Hammers Bericht als „wahrhaftig grundlegende Zeitansage“. Aus der Besinnung nach innen zu Gott müsse – wie Hammer schreibt - die Bewegung der Kirche in die Welt kommen. Und dazu müsse „Kirche sich neu denken.“
Ökumenische Verbundenheit strahlte Bruder Vincent Grunwald von der Abtei Königsmünster aus. Als Vertreter des Abtes erinnerte an Ereignisse aus dem Reformationsjubiläumsjahres 2017 und dankte für die Offenheit der evangelischen Geschwister.
Superintendent Dieter Tometten aus Soest  bezog sich in seinem Gruß auf den Eröffnungsgottesdienst. Pfarrer Martin Vogt aus Sundern hatte ihn gestaltet zum Thema: Aufbrechen und unterwegs mit offenen Sinnen Neues erfahren.

Haushalte Kindergärten und neues Kreiskirchenamt
Im weiteren Tagungsverlauf beschlossen die evangelischen Parlamentarier die Haushaltsplanung  für die sieben Kindertagesstätten des Trägerverbundes in Erträgen und Aufwendungen von rund 4.900.000 Euro, nahmen zur Kenntnis, dass das Kreiskirchenamt Sauerland-Hellweg nach einer anstrengenden „Einschwingphase“ nun vom „Reagieren aufs Agieren“ gewechselt habe. Leiter Bernd Göbert: „Die Mitarbeiterschaft und die Leitung halten am ursprünglichen Ziel, der Erleichterung von Verwaltungsprozessen, fest.“ Er sei sich sicher, dass in einem halben Jahr die Anpassungsschwierigkeiten überwunden seien.

60 Jahre Brot für die Welt

180630 Kreissynode 2Zum 60. Jubiläum der evangelischen Wohlfahrtsorganisation „Brot für die Welt“ hatte Katja Breyer, zuständig für den evangelischen Entwicklungsdienst und „Brot für die Welt“, am Beispiel der Arbeit der brasilianischen Parteiorganisation CAPA erläutert, wie mit Spenden die Menschen dort sich eigenverantwortlich für nachhaltige Anbaumethoden in kleinen landwirtschaftlichen Betrieben einsetzen und dadurch mehr Gesundheit und Gerechtigkeit erreichen. „Ich danke auch Ihnen für ihre Spenden“, schloss sie ihren Vortrag.  KKB

 

 

 

 

 

Herzliche Grüße von
Kathrin Koppe-Bäumer
Ev. Kirchenkreis Arnsberg
Öffentlichkeitsarbeit
Kathrin Koppe-Bäumer
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Vertrauensvoll losgehen

Ein ökumenischer Bibelnachmittag für Geistliche

Bestwig. Im Jahr 2016 war der Gemeinsame Rüsttag für evangelische und katholische Geistlicher ein Erfolg. Deshalb gab es dieses Angebot Ende April erneut. Wieder in der gastfreundlichen Atmosphäre des Bergklosters in Bestwig. Diesmal  mit der Referentin Heidemarie Langer aus Hamburg.  Die studierte  Theologin, Anglistin,  Kommunikationswissenschaftlerin und Gestalttherapeutin entwickelte in den 70-ger, 80-ger-Jahren des 20. Jahrhunderts das Bibliodrama in Deutschland. Auf den Kirchentagen in den 80-Jahren arbeitete sie so kreativ mit Großgruppen an biblischen Texten, dass den Teilnehmenden ihre persönlichen Beziehungen zum Text klarwurden und sich ein lebendiger und lebhafter Dialog zwischen Menschen der Gegenwart und Texten der Tradition entwickelte.

50 Sauerländer aus dem Evangelischen Kirchenkreis Arnsberg und den drei katholischen Dekanaten hatten Lust auf eine Begegnung mit Heidemarie Langer. Superintendent Alfred Hammer hatte sich „Segen fürs Leben“  gewünscht und die Referentin zusammen mit Projektpfarrerin Christina Bergmann einen Nachmittag zum Text über den Anfang der Abrahams-Geschichte entwickelt. Heidenarie Langer begann mit ihrer Arbeit schon während des Stehcafés  vor der Sitzung. Ruhig bewegte sie sich unter den Kaffeetrinkenden, gab hier eine Hand, wechselte dort einige Sätze, kam zu einem zurück, um ihm noch einmal richtig ins Gesicht zu sehen. Begegnung von Angesicht zu Angesicht  am Kaffeetisch, vor dem Aufbruch zu einer Reise, unter freiem Himmel – darin kann Segen liegen. Drei Stunden lang ging die Referentin am biblischen Text entlang, ließ Pfarrer, Pfarrerinnen, Ordensleute, Gemeindereferentinnen und Priester über das Gehen nachdenken und fragte sie, was ihnen  die Kraft gibt nach vorne zu gehen. Welches Vertrauen lässt mich aufbrechen und weitergehen? Sie halte nichts von der Formulierung „Man muss loslassen“ – sie ziehe den Satz vor: Man verlasse im Vertrauen auf“.

Mancher musste im Laufe des Nachmittags erst den Zugang zu dieser elementaren Form der Bibelarbeit finden. Wo blieben denn da  Kopf, Verstand und die Ergebnisse der wissenschaftlichen Auslegung? Im Gespräch unter Sitznachbarn konnten diese Gedanken gestreift werden. Überhaupt: Wenn zum Gespräch miteinander aufgefordert wurde, wurde intensiv gemurmelt.

Unter den Geistlichen beider  Kirchen  hat sich Vertrauen entwickelt. Das wurde sicht-und hörbar. Auch während der 20-minütigen Stille, als die Klosterräume jedem zur persönlichen Meditation geöffnet waren, blieben die Teilnehmenden aufmerksam für einander.  Ein Stück Himmel wurde an diesem Tag spürbar und am Ende die Bereitschaft, neuen Wegen zu vertrauen

Superintendent Alfred Hammer, Schwester Ignatia vom Kloster Bestwig und Bruder Anno vom Benediktiner- Kloster teilten sich die Gastgeberschaft, begrüßten die Versammelten, dankten der Referentin und luden zu Abendgebet und gemeinsamen Essen am Ende es Tages ein.

Bericht:

Kathrin Koppe-Bäumer

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Gottesdienstzeiten

Sonntags

10.00 Uhr in der Christuskirche und

11.30 Uhr in der Pauluskirche

An Feiertagen gelten gelegentlich Sonderzeiten.

 Öffnungszeiten der Christuskirche

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